Intergenerationelles Erbe

Langzeitfolgen von Krieg, Vertreibung und Trauma

www.i-on.museum
Erinnerung, Schweigen und Weitergabe

Seit über 15 Jahren erforsche ich die langfristigen Auswirkungen kollektiver Traumata und sozialen Schweigens auf Individuen, Familien und Gesellschaften. Mein Fokus liegt darauf, wie sich unausgesprochene Traumata über Generationen hinweg übertragen und welche Rolle Erinnerungsarbeit für die Konfliktbewältigung und Friedensförderung spielt.

Man weiß heute, dass Traumata auf drei Wegen weitergegeben werden: durch Hormone während der Schwangerschaft, durch Verhalten sowie durch eine veränderte Lesbarkeit des Genmaterials. Diese biologischen und sozialen Mechanismen verstärken sich gegenseitig und beeinflussen langfristig familiäre und gesellschaftliche Strukturen.

Im EU-geförderten Projekt Identity on the Line (I-ON) untersuchte ich mit Partnern aus sieben europäischen Ländern die Folgen von Krieg und Migration. In über 160 Interviews erarbeiteten wir, wie Migrationserfahrungen Identität und Wohlbefinden über Generationen hinweg prägen. Das Projekt wurde mit dem European Museum Academy Prize ausgezeichnet und führte zu Gesprächen mit EU-Parlamentariern.

Neben meiner Forschung vermittle ich in Vorträgen und Schulungen, wie individuelles und kollektives Schweigen Familien und Gesellschaften destabilisieren kann – und wie Kulturinstitutionen aktiv dazu beitragen, dieses Schweigen zu brechen. Museen können als sichere Räume für offene Gespräche dienen und durch Ausstellungen sowie Bildungsprogramme gesellschaftliche Heilungsprozesse fördern.

Meine Arbeit ist international und interdisziplinär ausgerichtet. Ich arbeite mit Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Sozialwissenschaften, Psychologie, Neurowissenschaften und Geschichte zusammen, um ein möglichst ganzheitliches Verständnis der intergenerationellen Traumavererbung zu gewinnen. 

Aktuell erweitere und vertiefe ich meine Forschung, weil ich überzeugt bin, dass es eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit ist, die Mechanismen hinter der Weitergabe von Traumata zu verstehen und wirkungsvolle Strategien zur Prävention zu entwickeln – sei es in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg, der uns noch heute prägt, Fluchterfahrungen heutiger Migranten oder unsere unsichere geopolitische Lage.

Kontaktieren Sie mich gerne, wenn Sie Interesse an einem Vortrag oder Austausch über diese Themen haben!